Praxis | Team


Milo - Therapiebegleithund


Milo ist einjunger Golden Retriever und gehört seit Januar 2014 zum Praxisteam. Gemeinsam werden wir zum Therapiebegleithunde-Team ausgebildet



Was ist ein Therapiebegleithund bzw. ein Therapiebegleithunde-Team?


Der Ausdruck „Therapiehund“ ist für viele Menschen ein bekannter Begriff. Diese Bezeichnung sagt allerdings wenig über die Fähigkeiten des Hundes und seiner Besitzerin1 aus, da zurzeit jeder seinen Hund auf verschiedene Arten ausbilden lassen und als Therapiehund bezeichnen kann. Hunde werden oftmals in Pflegeheimen, Kindergärten oder anderen sozialen Einrichtungen eingesetzt und nicht selten zum „Therapeutauf vier Pfoten“ ernannt. Streng genommen müssen diese Hunde jedoch als „Besuchshunde im Rahmen einer hundgestützten Aktivität“ bezeichnet werden. Der Einsatz des Hundes hat ein allgemeines Ziel: die Steigerung des Wohlbefindens von Heimbewohnern und Kindern. Besuchshunde werden oftmals von Menschen geführt, welche ehrenamtlich diese anerkennenswerte Arbeit leisten. Da ein Hund kein Therapeut im engeren Sinne sein kann, wird in der therapeutischen Praxis der Begriff „Therapiebegleithund“ verwendet. Ein Therapiebegleithund hat zusammen mit seiner Besitzerin – einer ausgebildeten Therapeutin – eine spezielle Ausbildung absolviert und wird im Rahmen einer Therapie zur Erreichung einesbestimmten Ziels eingesetzt. Der Hund wird nach erfolgter Diagnostik in den Behandlungsplan integriert und kommt dann zum Einsatz, wenn dieser sinnvoll und gewinnbringend ist. Der Hund begleitet und unterstützt die therapeutische Arbeit, indem er während der Behandlung eines Patienten spezielle Aufgaben erfüllt (Habenicht, 2013).



Was beinhaltet die Ausbildung zum Therapiebegleithunde-Team bzw. was unterscheidet einen Therapiebegleithund von einem Familienhund?


Die Ausbildung eines Therapiebegleithundes durch ein Institut oder einen Verein ist in Deutschland keine Pflicht. Dies bedeutet, dass Hunde auch ohne spezielle Ausbildung eine sprachtherapeutische Behandlung begleiten dürfen. Da für mich jedoch eine wissenschaftliche Grundlage wichtig ist und mir ein zielgerichteter sowie sinnvoller Einsatz meines Hundes am Herzen liegt, habe ich mich für eine Ausbildung zum Therapiebegleithunde-Team entschieden. Die Ausbildung erfolgt am Münsteraner Institut für Therapeutische Fortbildung und Tiergestützte Therapie (MITTT, www.mittt.de) nach der Steinfurter Pädagogik-/ Therapiebegleithund-Methode. Diese wird bereits seit 1996 eingesetzt und hat das positive Miteinander von Therapeut und Hund im Fokus. Dabei soll der Hund als Ergänzung und Unterstützung in der Therapie eingesetzt werden, klar abgegrenzt vom sogenannten Streichel- oder Besuchshund. Durch die Ausbildung, welche nach den Richtlinien des TBD e. V. (Therapiebegleithunde Deutschland e. V., www.tbdev.de) erfolgt, soll sichergestellt werden, dass Milo in seinem Wesen und Gehorsam für die Arbeit geeignet ist und nach definierten Förderzielen eingesetzt wird. Während seiner Ausbildung muss Milo im Gegensatz zu Familienhunden verschiedene Kompetenzen erwerben.

Dazu gehören: Entwicklung einer hohen Toleranz- und Reizschwelle, d. h.

● Liegen bleiben, auch bei hohen Außenreizen

● Ruhe bewahren bei Stress oder Hektik

● Berührungen am ganzen Körper zulassen, auch ohne Vorankündigung grobe Berührungen dulden

● Menschen zurückhaltend begrüßen (ohne Anspringen oder Bellen) sich wegschieben lassen

● Leckerchen vorsichtig aus der Hand nehmen

● Sich Futter oder Leckerchen wegnehmen lassen

● Alleine in einem Zimmer bleiben, sowohl bei geöffneter als auch geschlossener Tür und dabei Ruhe bewahren

● Auch in fremder Umgebung ruhig bleiben

● Sich trotz Ablenkung abrufen lassen

● Wenig schreckhaft sein und z. B. laute Geräusche dulden

Zusätzlich lernt Milo verschiedene Tricks, die im Spiel mit den Kindern Anwendung finden. Alle Tricks wurden außerhalb der Therapie intensiv in vielen Trainingseinheiten geübt




Was macht ein Hund in der Logopädie?


Durch ihre Zuwendung, Interaktion und Einfühlsamkeit, haben Hunde eine positive Wirkung auf Menschen. Hunde gehen wertfrei auf jeden Menschen zu – egal, wie dieser aussieht oder gekleidet ist, ob er jung ist oder alt oder eine Behinderung hat. Diese unvoreingenommene Art macht Hunde – in Verbindung mit ihrer Anpassungsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft – zu wertvollen Begleitern in der Therapie. Milo kann im Rahmen der logopädischen Behandlung eingesetzt werden, um bestimmte Ziele zu erreichen, wie z. B.:

● Steigerung der Motivation und Ausdauer - Patienten zeigen erfahrungsgemäß eine höhere Leistungsbereitschaft, wenn sie geforderte Aufgaben nicht „nur für sich“ sondern für den Hund durchführen und dafür z. B. Leckerchen für ihn gewinnen (Habenicht, 2013).

● Verringerung von Stress und Angst - Der Kontakt zu Tieren kann in stress- und angstauslösenden Situationen helfen innere Ruhe zu finden (Beetz & Heyer, 2014).

● Akzeptanz von Fehlern und Relativierung des Störungsbewusstseins - Fehler zu machen ist für manche Patienten ein Problem. Wenn das Sprechen schwer fällt und womöglich im häuslichen Umfeld viel korrigiert wird, folgt unter Umständen Frustration. Erlebt ein davon betroffener Patient in der Therapie, dass der Hund auch Fehler macht und dies keine schlimmen Folgen hat, kann dies zu einem Abbau des Störungsbewusstseins führen (Habenicht, 2013).

● Verbesserung der Kontaktaufnahme - In Anwesenheit von Hunden ist die Schwelle zur Kontaktaufnahme mit anderen Menschen herabgesetzt, wodurch Hunde auch als „Eisbrecher in der Therapie“ bezeichnet werden. Weiterhin ist der Kontakt zum Hund einfach herzustellen und unterliegt keinen gesellschaftlichen Normen (Beetz & Heyer, 2014).

● Allgemeine Förderung der Kommunikation - Die Anwesenheit eines Hundes ist oftmals sofort Anlass für einen Dialog zwischen den anwesenden Personen. Der Hund wird gestreichelt, beobachtet, gefüttert. All dies bietet einen Kommunikationsinhalt und führt oft dazu, dass Patienten sich öffnen (Kahlisch, 2010).

● Verstehen und Einhalten von Regeln - In der Therapie müssen Kinder sich – wie zu Hause, im Kindergarten oder der Schule auch – an Regeln halten. Die Akzeptanz dieser wird dadurch gefördert, dass auch der Hund sich an Regeln halten muss.

● Verbesserung des Selbstwertgefühls - Kinder müssen üblicherweise den Vorgaben von Erwachsenen folgen und stehen somit in der „Rangfolge“ ganz unten. Dies ändert sich, wenn in der Therapie ein Hund anwesend ist. Dann darf das Kind Kommandos geben und Aufgaben verteilen, wodurch es lernt, dass es mit seinem Sprechen etwas bewirken kann (Habenicht, 2013).

● Stärkung des Selbstbewusstseins - Die enge Zusammenarbeit mit einem Hund – insbesondere einem so großen Hund wie Milo – erfordert für manche Kinder etwas Mut. Lassen diese Kinder sich auf das Spiel und die Kooperation mit Milo ein, verlassen sie stolz die Therapiestunde.

Zudem macht die Zusammenarbeit mit Milo viel Freude. Den Patienten machen die Übungen mehr Spaß, wenn Milo z. B. für uns würfelt oder uns bei einem Kegelspiel den Ball wiederbringt.

Sollten Sie Fragen zum Einsatz von Milo haben, sprechen Sie mich gerne an oder senden Sie uns eine E-Mail. Wir freuen uns auf Sie!

Madeleine Güntheroth & Milo


Logopädische Therapie mit Therapiebegleithund Milo